Ausgabe 05/2010

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01.07.10 09:46

Freebies für das iPhone

Das iPhone mausert sich allmählich zum Allround-Tool – auch für Freunde des kostenlosen Software-Konsums. 4c zeigt die 15 besten Gratis-Apps für die bildgebende Industrie.

Von Rainer Scheichelbauer

So ein iPhone gehört ja mittlerweile zum mobilen Inventar designaffiner Zielgruppen. Da ist es bloß logisch, dass sich im App-Store von Apple auch das eine oder andere Programmzeilen-Kleinod für Designer und Gruppen findet. Einige der Apps sind auch kostenlos erhältlich.

Allen voran verdient hier Adobes mobiler Photoshop eine lobende Erwähnung: Auf dem iPhone gespeicherte Bilder lassen sich über einfache Fingergesten beschneiden, farbkorrigieren, geraderichten, schärfen und so weiter. Knapp dreißig Funktionen und Effekte beherrscht die Mini-Bildbearbeitung. Darüber hinaus interagiert die App mit der Online-Plattform photoshop.com. Freilich kann der heiß gewaschene kleine Bruder des Adobe-Flaggschiffs kein Profiprogramm am Desktop ersetzen. Aber bis zum Passfotoformat kann der Bilderwinzling durchaus mithalten. Und das ist für die beschränkten Ressourcen eines Handheld-Geräts beachtlich genug.

Zum Zeichnen neuer Bilder dient SketchBook MobileX. Das Tool eignet sich zum Skizzieren von Entwürfen, vor allem wenn man gerade keinen Bleistift zur Hand hat. In der Praxis erweist sich die Bedienung als durchwegs intuitiv und erstaunlich präzise. Mit ein bisschen Übung macht das Zeichnen mit der Fingerkuppe sogar richtigen Spaß.

 

Mobile JDF-Überwachung

Für den Printbereich ist das Angebot an Gratis-Apps aber vergleichsweise gering. So bietet die Light-Version von iDesigner nützliche Berechnungen für Grammatur, Scan- und Druckauflösung und Dateigrößen. Eine ausführliche Übersicht der DIN-A-Reihe rundet den Funktionsumfang ab.

Einen sehr interessanten Eindruck macht der Print Manager aus dem belgischen Software-Haus Netwalk. Mit ihm kann man jederzeit und überall einen Blick in einen JMF-Controller werfen. Die App liefert eine detaillierte Statusübersicht aller im System verzeichneten Aufträge. Sogar eine Vorschau der Druckplatten lässt sich auf den Bildschirm zaubern. Alles was man dazu braucht, ist ein laufender und vernetzter JDF-Workflow – und natürlich die URL des Controllers. Leider beschränkt sich das Tool auf den Statusrapport von der Produktionsfront. Eingriffe in den Workflow erlaubt die App noch nicht. Aber immerhin lassen sich Produktionsabläufe damit bereits vom Kaffeehaus aus überwachen.

Kostenlose PDF-Reader aller Couleurs gibt es im App Store zuhauf. Der einzige, der der kostenpflichtigen Konkurrenz das Wasser reichen kann, ist aber der Aji Reader. So ermöglicht die App, PDFs aus dem Web zu laden, lokal zu speichern und per Mail weiterzuschicken. Das geht auch mit passwortgeschützten Dokumenten. Verknüpfungen, Notizen und Outlines werden ebenfalls unterstützt. Außerdem bietet der Aji Reader noch eine Textsuche – wahlweise innerhalb einer Datei oder in allen lokal gespeicherten PDFs. Aber Achtung: Die App ist nur vorübergehend gratis – also schnell zuschlagen.

 

Wenig los im Fotosektor

Auch für Fotografen hält sich die Zahl der Gratis-Apps in Grenzen. Nur Tools zur Berechnung der Schärfentiefe gibt es zur Genüge. Die eleganteste unter ihnen ist wohl iDoF Calc von den russischen Codern AVS-Soft. Man wählt seine Kamera oder die Brennweiten-Verlängerung aus, stellt Blende, Brennweite und Objektabstand ein und die App liefert alle Angaben zum Schärfebereich und hyperfokale Distanz.

Wer seinen alten Belichtungsschuber vermisst, wird sich über Expositor Lite von Peter Kemmer freuen: Mit ihm lässt sich über einfache Schieberegler die ideale Kombination von Belichtungszeit und Blende ermitteln.

Experimentierfreudige, die sich trauen, das iPhone selbst für das Shooting einzusetzen, können mit Photo Lab Daily gleich einfache Farbkorrekturen durchführen und das Foto über WLAN an einen Drucker senden. Weil es die Lite-Version einer bezahlten App ist, wurde das Sichern aber eingeschränkt.

Deutlich mehr verspricht der iTunes-Store dem zahlungsunwilligen Typografen: So bietet UnicodeLab von William Ames einen schnellen Zugriff auf alle Unicode-Zeichen. Praktisch: Per Fingertapper wird das Zeichen in die Zwischenablage kopiert.

 

Typo-Tools im Taschenformat

Wer es gern ganz genau hat, kann stattdessen den Unicode-Table des japanischen Programmierers Naoki Hotta aufs iPhone laden. Der liefert detaillierte Codeinformationen, alle Codes von XML bis UTF-32 mit allen Zerlegungen und Normalisierungen.

Um immer up to date zu bleiben, kann der Schriftenfreak von Welt jetzt auch die App Typo­graphy Junkies bemühen. Sie fasst typospezifische Foren-beiträge, Zeitungsartikel und Meldungen auf Twitter und Facebook zusammen und bringt sie aufs iPhone-Display. Sogar YouTube-Filme und eine Chatfunktion wurden eingebunden.

Apropos Social Media: I Love Design heißt eine „globale Design-Community zum Austausch von Projekten, Ideen und Meinungen“, so die Selbstbeschreibung. Über das Netzwerk lassen sich Design-Screenshots hochladen und anschließend besprechen. Mitmachen kostet nichts, und zur Inspiration taugt die eingebaute Werkgalerie der teilnehmenden Gestalter allemal.

Praktischer geht es beim Font Size Calculator zu: Der empfiehlt eine minimale Schriftgröße für einen beliebigen Betrachtungsabstand und bestimmte Lichtverhältnisse. Die Berechnung erfolgt nach den Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Studie aus den siebziger Jahren.

Auch für WhatTheFont, das Online-Tool für die Erkennung von Schriften, gibt es eine gleichnamige Gratis-App. Der besondere Vorteil der iPhone-Fassung: Egal wo man sich gerade befindet, kann man ein Foto mit der eingebauten Kamera machen und gleich zur Fontanalyse hochladen. Wahlweise kann auch auf bereits gespeicherte Fotos zurückgegriffen werden. So lassen sich auch Fonts auf Webseiten bestimmen, wenn man vorher einen Screenshot anlegt.

 

Der Schriftenschüttler

Kann man sich wieder einmal nicht für eine Schrift entscheiden, hilft Shakefont weiter: Einfach das iPhone schütteln und voilà, die App zeigt einen Font samt Download-Link an. Wahlweise können auch Kategorien festgelegt werden. Shakefont greift dafür auf die Datenbank von Dafont zurück, in der sich vor allem günstige Display-Fonts tummeln.

Die Optik eines einarmigen Banditen kommt den Spielernaturen unter den Designern entgegen: Mit ein bisschen Glück kann man sich ja auch einen Freefont schütteln.

 

 


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