20.10.05 19:28 Thomas Hofer: Spin Doktoren in Österreich. Die Praxis amerikanischer Wahlkampfberater. LIT Verlag, Wien 2005. ![]() Seit den 90er Jahren reisen regelmäßig US-Politberater nach Österreich, wenn hier Wahlkampf herrscht. Als „Spin Doktoren“ wurden sie spätestens seit dem Nationalratswahlkampf 1999 bekannt – und berüchtigt als dunkle politische Manipulatoren mit Sitz im „War Room.“ Hier leistet der Autor, ehemaliger profil-Journalist und nunmehriger Lobbyist, die notwendige Aufklärungsarbeit. Bei mehr als einer Million Wahlgänge im Vier-JahresZyklus – gewählt wird vom lokalen Sheriff bis hin zum Präsidenten alles – konnte sich in den USA eine florierende Beraterindustrie entfalten, die ihre Dienste auch international anbietet. In Österreich leistet sich vor allem die SPÖ ihr Know-how, etwa des Umfrageexperten Stanley Greenberg, der schon Clinton, Blair und Schröder beriet. Einen Höhepunkt von Hofers Recherche stellt die Analyse eines geheimen Memorandums des Teams Greenberg/Bob Boorston an den Herausforderer Alfred Gusenbauer im Wahlkampf 2002 dar, das diesen für die TV-Debatte mit Kanzler Wolfgang Schüssel präparierte und ihn tatsächlich dominieren ließ. Schüssels größte Schwachstelle sei seine Selbstsicherheit, man müsse ihn aus der Fassung bringen, empfahl das Papier unter anderem. Spannend ist anhand des kommentierten Transkripts der TV-Diskussion nachzulesen, wie sehr sich Gusenbauer an die Richtlinien hielt. Es findet keine Amerikanisierung der österreichischen Wahlkämpfe statt, folgert Hofer, die österreichischen Strategen picken sich vielmehr aus dem professionellen Angebot ihrer US-Kollegen die passenden Instrumente heraus. Gegen eine solche Entwicklung sprechen schon einige österreichische Spezifika: Das Verbot von TV-Spots, der komplizierte Parteienapparat und fehlendes privates Fundraising. Hofers beeindruckende Informationen erscheinen zu einem interessanten Zeitpunkt: Mr. Greenberg leistet derzeit Wahlkampfhilfe für Michael Häupl.
Autor: C. Wenny
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